Projekt „Extra.Klasse“ für schuldistanzierte Jugendliche wird fortgeführt
Neue Perspektiven schaffen
Das Projekt „Extra.Klasse“, das im vergangenen Schuljahr mit drei Klassen der Jahrgangsstufen 6 bis 10 gestartet ist, hat es sich zur Aufgabe gemacht, sogenannte schuldistanzierte Jugendliche und Heranwachsende intensiv zu beschulen, sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu fördern und sie in Unterstützungsnetzwerke einzubinden. Das vom Kreis finanziell unterstützte Vorhaben richtet sich an Schüler aus der Region, die zum Ausgleich sozialer Benachteiligung oder zur Überwindung individueller Entwicklungskrisen auf Unterstützung im schulischen Zusammenleben angewiesen sind. Kinder und Jugendliche, die im regulären Unterricht nicht (mehr) wie üblich und gewünscht unterrichtet werden können, stehen im Fokus der Arbeit.
Die wichtigsten Ziele für die Jahrgangsstufen 8 bis 10 sind: regelmäßiger Schulbesuch, Erlangen eines Schulabschlusses, Anbahnen einer beruflichen Orientierung und Begleitung beim Übergang in die Berufsausbildung.
Trotz der widrigen Umstände wegen der Corona-Pandemie – mit wenig Präsenzunterricht und vorwiegend Homeschooling – ist dieses Vorhaben gelungen, heißt es in einer Pressemitteilung: Denn fast alle Schüler haben nach Angaben der Projekt-Verantwortlichen die Schule erfolgreich abgeschlossen. Die Absolventen haben demnach eine berufliche Perspektive gefunden: Die Schüler machen nun eine Ausbildung, gehen in eine Berufsfachschulklasse am Berufskolleg, nehmen an einer berufsvorbereitenden Maßnahme der Agentur für Arbeit teil oder besuchen die nächst höhere Jahrgangsstufe.
Im Rahmen einer kleinen Feier in der Akademie Talaue erhielten sie jüngst die Zeugnisse. Das „Extra.Klasse“-Team um Projektleiter Axel Weghorst verabschiedete die Schüler mit guten Wünschen für ihre Zukunft.
Im laufenden Schuljahr setzt das Projekt seine Arbeit fort. Die neuen Schüler kommen – wie auch im vergangenen Schuljahr – aus den umliegenden Orten (Greven, Ibbenbüren, Ladbergen, Lengerich, Lienen, Lotte, Saerbeck, Tecklenburg und Westerkappeln) und somit von unterschiedlichen Schulen und Schulformen. Ihnen bietet in kleinen Lerngruppen die Möglichkeit zu einem „Neustart“.
Die Erfahrungen des vergangenen Schuljahres führen nach Angaben der Verantwortlichen zu konzeptionellen Veränderungen. Fachinhalte der sogenannten Nebenfächer werden vorwiegend in Unterrichtsmodulen vermittelt. Diese lehnen sich mit ihren thematischen Schwerpunkten an die Lehrpläne an.
In den Jahrgangsstufen 7, 8 und 9 soll, angefangen bei den jüngeren Jahrgangsstufen, die berufliche Orientierung zunehmend in den Fokus rücken. Neben den Maßnahmen Potenzialanalyse und Berufsfelderkundung ist geplant, die Schüler durch Betriebsbesichtigungen und -erkundungen, die Teilnahme am Projekt Generationen-Werkstatt (generationsübergreifende Praxiserfahrungen in örtlichen Betrieben unterschiedlicher Branchen) und den Besuch von Ausbildungsmessen schrittweise an die Berufswelt heranzuführen.
In der Jahrgangsstufe 9 absolvieren die Jugendlichen wie bisher ein Langzeitpraktikum. In diesem Praktikum gehen sie an zwei Tagen für jeweils acht Zeitstunden in die Praktikumsbetriebe. Die Arbeitszeit soll dazu beitragen, dass sich die Jugendlichen von Gruppen, die ihre Entwicklung nicht begünstigt haben, distanzieren können und bietet Gelegenheit, neue Kontakte einzugehen und neue Verhaltensweisen einzuüben. Im Idealfall mündet das Betriebspraktikum in einen Ausbildungsvertrag.
Darüber hinaus machen Angebote aus dem musisch-kulturellen, dem umwelt- sowie dem erlebnispädagogischen Bereich das Projekt facettenreich. Insbesondere diese Komponenten ermöglichen Erfahrungen der Selbstwirksamkeit und geben den Schülern Anregungen für ihre weitere Zukunftsgestaltung.